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Matthias Wittland, Geschäftsbereichsleiter

Caritas Pflege & Gesundheit
Caritasverband für die Dekanate Ahaus und Vreden e.V.

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Ahaus, 22. Februar 2017  

Sophie Rosentreter Referentin beim Caritasverband

Christiane Hildebrand-Stubbe

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Engagierte Referentin wie Teilnehmende:
Sophie Rosentreter und ihre Zuhörer bei der Fortbildungsveranstaltung des Caritasverbandes.

HEEK. Als Model gehörte sie zur Welt der Schönen und Reichen. Für den Playboy ließ sie schon mal die Hüllen fallen. Jetzt ist Demenz ihr großes Thema. Warum das so ist, erklärte Sophie Rosentreter am Mittwoch den Mitarbeitern in stationären wie ambulanten Pflegeeinrichtungen bei einer Fortbildungsveranstaltung des Caritasverbandes Ahaus-Vreden in Heek.

Nicht nur optisch wurde dabei erkennbar, dass die 41-Jährige die Welt des Glamours, mit der sie auch als Schauspielerin, Redakteurin und MTV-Moderatorin vertraut war, hinter sich gelassen hat. Ungeschminkt und gekleidet mit saloppem grauen Shirt, schwarzer Jeans und Boots, war ihr Auftritt an diesem Tag nur der einer fachkundigen Referentin zum Umgang mit Demenz. Und mit Fachkunde konnte sie dabei in mehrfacher Hinsicht überzeugen. Vor allem durch ihre ganz persönlichen Erfahrungen.

Einstieg in die neue Welt

Ihre damalige Unwissenheit beim Umgang mit ihrer demenzkranken Oma Ilse und mit ihrer durch die jahrelange Pflege erschöpften Mutter waren die Initialzündung zum professionellen Einstieg in die komplexe Thematik. Herausgekommen sind dadurch mittlerweile eine eigene Firma ("Ilses weite Welt GmbH") , die Angehörige und Pflegende Demenzkranker unterstützt, sowie Filme, Begleitmaterial, zahlreiche Publikationen und ein Buch zum Thema. Und eben auch Vorträge und Workshops. Rosentreters These und Appell gleichermaßen, die auch Titel der Fortbildung in Heek waren: "Demenz mit Leichtigkeit begegnen."

Wie das möglich ist und dass Humor da eine besondere Rolle spielt, zeigte sie anhand von sehr privaten Erlebnissen und filmischen Einspielern mit Demenzkranken als Hauptdarstellern. Sophie Rosentreter wirbt dabei für eine neue emotionale Beziehung zwischen Erkrankten und ihren Begleitern. Das aber setzt allen voran das Wissen um die Erkrankung und die Bedürfnisse der Kranken voraus. So sei es weit verbreitet, dass Pflegeeinrichtungen ähnlich wie ein Hotel konzipiert seien, was bei Demenz nicht unbedingt förderlich sei. Diese Gruppe brauche zwar Liebe, Trost, Sicherheit, Bindung, aber ganz besonders auch eine Betätigung: "Du hast nicht nur eine Diagnose, sondern auch eine Aufgabe."

Einfache Lösungen

Und manchmal sind es die ganz simplen Lösungen wie farbige Klebebänder rund um Waschbecken und Toiletten, die Demenzkranken, aber auch den Pflegenden, den Alltag erleichtern, machte die Demenz-Expertin klar. Als zentrale Frage, aber auch als Mantra gab sie den Teilnehmenden das mit auf den Weg in ihren beruflichen Alltag: "Wie möchten Sie im Alter leben, im Einzelzimmer, wollen Sie mit Du angeredet werden, wie soll Ihr Tag aussehen?" Die Antworten fielen recht unterschiedlich aus, machten aber wohl allen deutlich, wie
wichtig ein solcher Perspektivwechsel ist.

Pflege muss sich sichtbarer machen

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Sophie Rosentreter

Frau Rosentreter, Sie waren in der Glitzerwelt zuhause, liebäugeln Sie manchmal noch
damit?

Es gibt von da immer mal wieder Angebote, aber nein, ich mache das nicht mehr. Ich bin in der Pflege angekommen, das ist mein Thema. Es ist das erste Mal, dass ich ganz tief nach innengekommen bin, nicht nur an die Oberfläche.

Was ist das Neue zum Thema Demenz in Ihren Vorträgen?

Bei mir geht es um emotionales Lernen und um meine persönlichen Erfahrungen. Ich habe mich in privaten Haushalten, stationären Einrichtungen, ambulanten Diensten umgeschaut und mir einen guten Überblick verschaffen können. Und ich habe den großen Vorteil, dass ich auch die Perspektive der Angehörigen erlebt habe und meine Geschichten aus der Praxis stammen.

Was ist Ihre Hauptbotschaft - an Pflegende und Angehörige?

Ich will Mut machen und sagen, dass es nicht den einen, sondern ganz viele Königswege gibt. Mir ist wichtig, dass die Pflege gestärkt wird, und sie sich selbstbewusst sichtbarer macht. Pflege muss sich nicht nur untereinander in ihren verschiedenen Sparten die Hand reichen, sondern auch Angehörige und das Ehrenamt ins Boot holen.

Quelle: Münsterland Zeitung