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Münster / Borken, 29. Juni 2017  

Abschluss der Weiterbildung zur Stationsleitung

Hebammenwissen ist nicht an Kultur gebunden

Projekt: Kultursensible Geburtshilfe mit überraschenden Erkenntnissen / Therapiehund "Kirby" holt Patienten aus Depression

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Bebilderte Tafeln mit Begriffen in mehreren Sprachen hat Henrike Adam
im Stationsleitungskurs der Caritas für die Geburtshilfe des Franziskus-Hospitals
in Münster entwickelt. (Foto: Harald Westbeld / Caritas Münster)

Münster / Waltrop / Velen (cpm). Eigentlich wollte Henrike Adam Checklisten für die Geburtshilfe im Franziskus-Hospital in Münster erarbeiten, damit sie "kultursensibel" Entbindungen begleiten können. Immerhin haben bei 2.500 Geburten jährlich rund 350 Mütter einen Migrationshintergrund. Doch in der Beschäftigung mit dem Thema kam sie schnell zu der Erkenntnis: Das uralte Hebammenwissen ist nicht an eine Kultur gebunden. Eigentlich sind es eher nur Sprachprobleme. Stattdessen hat sie in ihrem Projekt zum Abschluss der vom Diözesancaritasverband Münster organisierten Weiterbildung zur Stationsleitung bebilderte Karten mit Begriffen in sechs Sprachen entwickelt. Sie ermöglichen die Verständigung rund um die Geburt auch ohne Deutsch- und Lesekenntnisse. Auch im am Freitag abgeschlossenen 34. Kurs "hat es wieder eine ganze Reihe interessanter Ideen und Erkenntnisse für die Pflegepraxis gegeben", sagt Kursleiter Jörn Suermann.

Auslöser für die Projektidee von Henrike Adam war eine problematische Geburt, bei der mangels Sprachkenntnissen keine Verständigung möglich war. Diese Schwierigkeiten haben sich angesichts der vielen Flüchtlingsfrauen deutlich verschärft. Manche von ihnen sind Analphabeten, so dass aussagekräftige Fotos und Abbildungen die schriftlichen Stichworte auf ihren Tafeln ergänzen müssen. Im Franziskus-Hospital sind sie im Einsatz und stoßen auf viel Zustimmung im Team. Es ist zwar, hat Adam erfahren, wichtig um die kulturellen Hintergründe zu wissen, aber letztlich geht es wie immer um die individuelle Patientenorientierung.

Auf andere als die erwarteten Erkenntnisse stießen auch weitere Teilnehmer des über anderthalb Jahre laufenden Kurses. Anne Klöpper von der Caritas Pflege & Gesundheit in Velen hat sich mit freiheitsentziehenden Maßnahmen in der ambulanten Pflege beschäftigt. Es zeigte sich, dass allein das Ansprechen im Team ihre Kollegen im Vorfeld so sensibilisierte, dass viele gewohnte Verhaltensweisen mit geringem Aufwand vermieden werden konnten. Viele Abläufe wie zum Beispiel das Feststellen der Bremsen des Rollstuhls am Tisch geschehen unbewusst, so Suermann. Es sei in der Regel gar nicht erforderlich, stelle aber schon eine freiheitsentziehende Maßnahme dar.

Therapiehund "Kirby" spielte die Hauptrolle im Projekt von Natalie Richter. Die häufig depressiven Patienten im St. Laurentius-Stift in Waltrop reagierten sehr positiv auf ihn und entwickelten sogar gemeinsam eine Visitenkarte für ihn.

Der Stationsleitungskurs bereitet umfassend in 720 Stunden ergänzt durch Praktika und ein Projekt auf Führungsaufgaben in der Pflege vor. Die Nachfrage ist beständig hoch. Der nächste Lehrgang läuft bereits und die Plätze für 2019/20 werden in wenigen Tagen vergeben.

042-2017 (hgw) 29. Juni 2017