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Borken, 8. März 2018  

Hospiz-Projekt an der Cordulaschule

Mit Kindern über den Tod reden

Von Markus Schönherr

Die Drittklässler Vin und Max zeigten ihren Mitschülern und Eltern,
wie man Krankheiten pantomimisch darstellt. Hier: Windpocken.

Die Kinder singen und klatschen, führen pantomimisch etwas vor und lassen Luftballons steigen. So bunt kann die Beschäftigung mit einem schweren Thema aussehen. Eine Woche lang hat sich die Klasse 3a der Cordula-Grundschule mit dem Thema Sterben auseinandergesetzt. "Wir haben sehr viel gelernt", sagt die neunjährige Lilli-Marie Thul am Ende des ungewöhnlichen Projektes.

Begleitet wurden die Schüler von einem Team des ambulanten Hospizdienstes der Caritas. Hospizkoordinatorin Klaudia Tiemeshen war zusammen mit sechs ehrenamtlichen Mitarbeitern an fünf Vormittagen in der Cordulaschule. Alle wurden innerhalb des bundesweiten Projektes "Hospiz macht Schule" für die Arbeit mit Grundschülern geschult. "Die Kinder wurden toll begleitet", findet Konrektorin Bettina Oskamp.

An eine aufgemalte Bohnenranke schrieben die Kinder mit Hilfe der
Hospiz-Mitarbeiter, wie man andere Menschen trösten kann. "Zuhören
und umarmen" steht zum Beispiel auf einem Blatt.

Da so viele Hospizbegleiter da waren, konnten die Kinder in kleinen Gruppen betreut werden. "Da hatten sie Raum, um ihre Gefühle zu äußern", sagt Bettina Oskamp. In den Gruppen wurde nicht nur das Sterben an sich behandelt. Als es zum Beispiel um Krankheiten ging, bekam die Klasse Besuch von einem Arzt. "Wir durften ihm ganz viele Fragen stellen", sagt Victoria Nickel (9). Und die Schüler überlegten sich, was sie tun können, um einen kranken Menschen zu entlasten. "Einen Kakao bringen, Frühstück machen, mit ihm spielen", zählt Victoria einige Möglichkeiten auf.

Neu war das Projekt auch für die ehrenamtlichen Sterbebegleiter. Aus Irmhild Kösters Sicht gibt es beim Umgang mit dem Thema Tod einen wesentlichen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen: "Kinder haben keine Hemmungen." Als ihr Kollege Gerd Erdbrügge eines Morgens berichtete, er würde nachmittags noch einen sterbenskranken Menschen besuchen, schrieben einige Kinder spontan Briefe für den Mann. "Er war darüber so glücklich", berichtet Erdbrügge.

Trotz der spielerischen Herangehensweise gab es auch ernste Momente. In einem Film über einen Bestatter sahen die Kinder auch eine echte Leiche. "Das war ein bisschen gruselig", gibt Lilli- Marie zu. Kinder, die den Film aus der Reihe "Willi wills wissen" nicht sehen wollten, konnten in der Zeit etwas anderes machen.

Im Rahmen des Abschlussfestes am letzten Tag ließen die Kinder
gute Wünsche an Heliumluftballons in die Luft steigen.

Am letzten Tag des Projektes stellten die Kinder ihren Eltern vor, was sie während der Woche gemacht hatten. Über die Inhalte seien die Eltern auch vorab bei einem Elternabend informiert worden, sagt Klaudia Tiemeshen. Das Projekt sei auf gute Resonanz gestoßen, so die Hospizkoordinatorin. Auch andere Grundschulen könnten an dem Projekt "Hospiz macht Schule" teilnehmen. Eine "Schul-Woche" pro Jahr hat sich das weitestgehend ehrenamtlich arbeitende Caritas-Team vorgenommen.

Quelle: Borkener Zeitung

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